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Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?

Mönchengladbach. Tja, eine turbulente Woche liegt hinter uns. Nachdem wir uns aus der „Mini-Krise“ rausgekämpft haben, sind wir schon wieder drin. Hoffentlich bleibt es jetzt dabei. Also, bei der „Mini-Krise“ und nicht bei einer ausgewachsenen Krise. Denn dann können wir endlich für Europa planen. Und ich muss zugeben, dass ich das längst tue. Alles andere wäre dann doch eine Enttäuschung. Weil ja Greuther Fürth gegen den schwarzgelben Sympathie-Träger der Nation ausgeschieden ist, reicht ja sogar Tabellenrang sieben für die Teilnahme am internationalen Geschäft, was für Borussia Mönchengladbach angesichts der satten 13 Punkte Vorsprung auf den derzeitigen Achten Hannover machbar sein sollte.

Platz vier sichern!

Aber natürlich träume ich von der Champions League, auch wenn ich nicht annehme, dass die Borussia noch einmal an Schalke vorbeizeiht und mit Rang drei die direkte Qualifikation für die „Königsklasse“ eintütet. Aber bitte: elf Punkte Vorsprung auf Platz fünf sollten doch zumindest für die Qualifikation reichen. Und dann verzichte ich lieber auf die Millionen, bezahle dafür nur in den beiden Ausscheidungsspielen Lehrgeld und hoffe darauf, dass wir dann in der Gruppenphase der Europa League was reißen, für die wir ja immerhin direkt qualifiziert wären.
Gerade habe ich versucht, mir von einem Professor für Arithmetik erklären zu lassen, wer denn wohl unser Gegner in den Quali-Spielen zur Champions League werden könnte, allein ich war zu doof, um des Pudels Kern zu erfassen und habe lediglich die Information mitgenommen, dass wir einen wirklich miesen Koeffizienten haben, was wiederum bedeutet, dass es uns gegnertechnisch ganz Dicke trifft. Aber was soll es? Ich will nämlich mal wieder reisen. Und da setze ich mich lieber in einen Flieger und düse in die „ewige Stadt“, um mir dort den Miro und Lazio anzusehen, anstatt mich mit der sibirischen Eisenbahn irgendwo Richtung sibirische Tundra zu begeben.

Italien, Frankreich, Spanien  England?

Das ist natürlich Geschmackssache, aber ich pflege lieber im Sommer das „Dolce far niente“ in Italien, als neue Kulturen im Osten Europas kennenzulernen. Außerdem bin ich ein Freund des französischen „Savoir-vivre“, würde also gerne nach Lille fahren und den dortigen Rotwein genießen. Oder lockt die künftige Kulturhauptstadt von 2016, Malaga? Im spanischen Süden bei Muskateller und frittierten Sardellen alternde Ex-Bundesligaprofis wie Demichelis und van Nistelrooy bei ihren Geriatrie-Übungen zusehen? Warum nicht? Selbst die Insel würde mich ja reizen. Dort könnte die Borussia auf einen Londoner Klub treffen. Ob es die alten Herren vom FC Chelsea werden, der FC Arsenal mit unserem „Prinz Poldi“ bei seinem wohl letzten „zumindest gefühlten“ Derby gegen uns Gladbacher oder möglicherweise Tottenham, die dann vielleicht gerade ihren Teammanager Harry Redknapp an die englische Nationalmannschaft verloren haben? Ganz egal. Da gehe ich in London dann zu Harvey Nichols und stocke meinen Teevorrat auf. Wenn wir auf die alle überhaupt treffen können.

Der Beste muss mit unter lügen, zuweilen tut er´s mit Vergnügen


Okay, ich gebe es zu. Ich habe gelogen. Mir ist es zwar tatsächlich egal, wohin es mich zu Borussias ersten internationalen Auftritt seit 1996 treibt, aber die oben aufgeführten Tätigkeiten werde ich allenfalls eingeschränkt durchziehen. Ich bin ja Fußball-Fan und da freue ich mich einfach auf die Spiele, zu denen ich selbstverständlich Bier trinken werde, was ich wiederum vermutlich von zuhause mitnehmen müsste, weil ich auf das deutsche Reinheitsgebot stehe und meinen Gaumen ungern mit San Miguel, Kronenbourg, Peroni oder Master Brew irritieren möchte. Möglicherweise wäre da das tschechische Pilsen also doch eine gute Option.



Lieber Platz vier, als Gaz Metan Medias!


Ich will damit nur sagen, dass ich mir einen Keks freue, wenn die Borussia Platz vier behauptet und wir uns mit einem richtig Großen messen dürfen. Und auch wenn es natürlich schade wäre, auf den ganz großen „Fleischtopf“ verzichten zu müssen, sehe ich das ganz gelassen, denn das Erreichen der Europa League ist doch auch schon eine Sensation, wenn wir mal alle ehrlich sind. Dabei gefällt mir besonders gut, dass wir gar nicht in die Gefahr kommen und uns so dämlich anstellen können wie der FSV Mainz im letzten Sommer. Die spielen erst eine unfassbare Saison, um dann nach zwei Spielen gegen Gaz Metan Medias (musste es noch einmal nachschauen: das liegt in Rumänien), die Segel wieder zu streichen. Im Elfmeterschießen auch noch. Bitter. Kann passieren – uns hoffentlich nicht mehr.

Wir haben also elf Punkte Vorsprung auf Bremen und Leverkusen, dass heißt also wir müssten, wenn die jetzt jedes Spiel gewännen, nochmal elf Punkte in den letzten sieben Spielen holen, um unseren Platz zu behaupten. Ist das richtig? Der Professor ist nämlich gerade nach Hause gegangen, den kann ich nicht mehr fragen. Gut, das würde bedeuten, mit drei Heimsiegen gegen Hertha, Köln und Augsburg hätten wir das schon fast in trockenen Tüchern, denn wer geht schon davon aus, dass die beiden Verfolger jetzt eine Serie mit sieben Siegen hinlegen? Ich jedenfalls nicht. Deshalb wiederhole ich es noch einmal: Europa League - wir kommen! Mindestens! Oder um es mit Andy Möller zu sagen: „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“

Euer

Gregor Becker

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