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„Beckers Borussia“: Europapokal, Europapokal!
Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?
Mönchengladbach. Am Wochenende war es dann endlich soweit: Gestandene Männer brachen in Tränen aus, kurzatmige Hypertoniker griffen sich ans Herz und Hardcore-Borussenfans stammelten Wörter wie „international“, „Europa“ oder „Fleischtopf“ in ihren Bart. Da Borussia Mönchengladbach also nun mindestens Platz fünf belegt, welcher direkt für die Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase berechtigt, bleibt uns sogar mit Sicherheit die schräge Nummer erspart, die sich die Mainzer vor dieser Saison leisteten.Keine Mainz-Nummer möglich
Die spielen erst eine Monster-Saison, um sich dann nach zwei Qualifikationspartien gegen Gaz Metan Medias (bitte was?) wieder aus dem Wettbewerb zu verabschieden. Aber nicht mit uns. Das haben wir nämlich schon hinter uns. Zwar gelang der Borussia in der letzten internationalen Saison 1996/1997 im damaligen UEFA-Pokal zwei Erstrundensiege gegen den FC Arsenal, in Runde zwei schied man jedoch sang- und klanglos gegen den AS Monaco aus und da war der Spuk schnell beendet.
Rechenspielchen
Platz vier scheint mir angesichts des Sieben-Punkte-Vorsprungs auf den VfB Stuttgart gesichert, weshalb wir nun die Gelegenheit ergreifen sollten, um zum Halili auf Schalke zu blasen, die zuletzt ein wenig durchhingen. Ein Rang-Tausch mit den „Königsblauen“ wäre doch eine runde Sache, oder? Die wären nämlich in der Qualifikation zur Champions League im Gegensatz zur Borussia gesetzt, könnten vor der Gruppenphase noch zwei lukrative Spiele gegen einen vermeintlich bezwingbaren Gegner bestreiten und ein paar Penunsen extra einfahren.
Hilfreich wäre da vielleicht, wenn sich die Bayern am Samstagnachmittag endgültig aus dem Meisterschaftskampf verabschiedeten und uns der frischgebackene Titelträger Borussia Dortmund dann im Top-Spiel abends freundlicherweise Spalier steht und die Punkte überlässt. Dann sollte das mit dem Vorbeiziehen an Schalke schon klappen und die Dortmunder freuen sich sicher irgendwie, auch wenn dann deren Serie von 25 Spielen, die sie nun hintereinander ungeschlagen blieben, gerissen wäre. Das ist ein sagenhafter Rekord – jetzt reicht es aber auch. Das weitere Programm mit Augsburg und Mainz sollte für die „Fohlen“ dann machbar sein, vor allem, weil es für beide Gegner vermutlich um nichts mehr geht. Die Konkurrenz aus Gelsenkirchen hat es noch mit Augsburg, Hertha und Bremen zu tun, die sich ob ihrer Tabellenposition alle noch nicht ausruhen können.
Fünf-Jahres-Wertung? Na und?
Auch wenn ich natürlich von der direkten Champions League-Qualifikation träume, bin ich eigentlich eher Realist und deshalb weiß ich zum einen, dass obiges Szenario jetzt nicht zwingend eintreten muss und zum anderen ist mir auch klar, dass nicht ganz Fußball-Deutschland jubiliert, wenn Gladbach in der Königsklasse antritt. Aber wisst ihr was? Das ist mir völlig wumpe. Seit eineinhalb Jahrzehnten darben wir Gladbach-Fans nun nach einem kleinen Zipfel vom Erfolg und freuen uns dabei Jahr für Jahr über so glorreiche Errungenschaften wie den Klassenerhalt. Und da geht mir das Gerede von der dämlichen UEFA-Fünf-Jahres-Wertung tatsächlich am Allerwertesten vorbei. Der deutsche Meister Borussia Dortmund hat ja nun die letzten zwei Jahre auf europäischer Ebene auch nicht gerade brilliert und außerdem haben wir ja die tollen Bayern, die den dritten Platz in diesem Ranking ganz gerne alleine verteidigen, zumindest wenn man der Allmacht Uli Hoeneß Glauben schenken mag.

Wir zahlen so viel Lehrgeld wie gewünscht
Mir ist durchaus bewusst, dass unsere Borussia in der Champions League eine Menge Lehrgeld bezahlen und sich vermutlich auch nicht mit Ruhm bekleckern würde. Dennoch müsste ich dann dienstags oder mittwochs nicht mehr mit irgendwelchen Bayern, Bremern oder Dortmundern vor der Glotze sitzen und mir die dämliche Hymne anhören, an der ich - wenn ich es mir recht überlege - tatsächlich doch noch Gefallen finden könnte, wenn sie denn jemals durch den Borussia-Park dudelte. Also, was soll´s? Hier und da mal ein Achtungserfolg gegen Mailand, Manchester oder sonst wen, Vorrundenplatz vier, die Millionen einstreichen und die Mannschaft weiterentwickeln. Dann greifen wir ein oder zwei Jahre später wieder an und machen es besser. Ich verspreche es.
Derby?
Vielleicht fragt sich manch einer, warum ich das möglicherweise vorerst letzte rheinische Derby so gar nicht thematisiert habe? Ganz einfach: Weder auf den Rängen noch auf dem Platz herrschte das Derby-Fieber, so wie man es in der Vergangenheit gewohnt war. Die Punkte sind ohnehin seit Jahren sicher und auch wenn ich nicht vergessen habe, dass uns der 1. FC Köln im letzten Jahr mit einem Sieg in Frankfurt am vorletzten Spieltag im Kampf um den Klassenerhalt entscheidend geholfen hat, so war das für mich lediglich ein Heimspiel, das wir vermutlich gewinnen würden. Unseren Freunden vom FC wünsche ich jedenfalls viel Glück bei dem, was auch immer sie da machen.
Euer
Gregor Becker
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