Goal.com-Korrespondent Daniel Uebber fasst für Euch in seiner Kolumne jeden Dienstag alle News, Meinungen und Geschichten rund um den 1. FC Köln zusammen.
Hallo „Effzeh“-Freunde!Was haben wir doch für ein Jahr hinter uns? Overath weg, Finke weg, Poldi weg, Erste Liga weg – alles ist futsch, alles ist vorbei, wir müssen in die zweite Liga gehen. Während viele FC-Fans bei den beiden Erstgenannten sicherlich auch sagen würden 'Endlich weg', gibt es etliche, die jammern, weil wir keinen Poldi mehr haben und nun in der ach so tristen und faden zweiten Liga antreten müssen. Diesen Leuten möchte ich sagen: Es gibt keinen Grund zu trauern! Sicher ist es schöner, gegen Bayern München anzutreten als gegen den SV Sandhausen. Sicher haben die Derbys gegen Gladbach, Leverkusen und, so traurig es ist, die Fortuna, einen viel höheren Stellenwert als die Nachbarduelle gegen Bochum oder Duisburg.
Aber wenn wir ehrlich sind: Wollen wir schon wieder Packungen bekommen wie in den letzten Jahren? Man muss ja schon fast froh sein, erst einmal ein Jahr lang nicht von den rheinischen Rivalen oder dem Rekordmeister „auf die Fresse“ zu bekommen. Und zum Glück müssen wir nicht wieder gegen den BVB antreten! Außerdem haben wir nun die Chance, endlich einen klaren und konzipierten Umbruch im Verein zu beginnen. Und die ersten Schritte sind ja auch schon getan: Mit den Herren Spinner und Jakobs haben wir kompetente und kommunikative „Macher“ am Werk, mit Holger Stanislawski einen Trainer, der die zweite Liga kennt und weiß, wie man mit einem geringen Etat eine erfolgreiche Mannschaft formen kann. Das hat er mit dem FC St. Pauli bewiesen, den er aus der Regionalliga in die Bundesliga führte.
Einmalige Gelegenheit
Der harte Gang in die zweite Liga bietet unserem „Effzeh“ auch die einmalige Gelegenheit, unsere Mannschaft umzustellen. Novakovic und Geromel, so viel sie auch in den letzten Jahren für unseren Verein geleistet haben, stehen zu Recht auf der Verkaufsliste. Lanig und Riether sind wir schon losgeworden, bei Peszko warten wir noch auf einen Abnehmer. Und Michael Rensing musste seinen Platz für Timo Horn räumen. Das war die einzige Personalentscheidung, die ich in den vergangen Wochen anfangs etwas anzweifelte. Mittlerweile halte ich sie aber für konsequent. Wenn wir schon einen kompletten Neuanfang starten wollen mit jungen, hungrigen Spielern, dann müssen wir diesen Weg auch bis zum Ende gehen: Timo Horn ist eines der größten deutschen Torwarttalente und erhielt als bisher einziger Torhüter im Jahr 2010 die Fritz-Walter-Medaille in Gold. Dieses Talent, bei allem Engagement Rensings, auf der Bank versauern zu lassen, wäre die schlechtere Option gewesen.
Poldi, mach et joot!
Zum Verlust von Lukas Podolski möchte ich Euch sagen: Seid nicht mehr traurig! Freut Euch für unseren kölschen Jung, dass er endlich der Welt zeigen darf, was für ein toller Kicker er ist. Der FC als Verein ist den tollen Veranlagungen von Poldi in der Vergangenheit nicht gerecht geworden. Ein Podolski muss in der Champions League spielen. Er darf nicht die einzig blühende Pflanze in einer sonst kargen Wüste von Fußballern sein, wie er es beim FC war. Und überhaupt: Auch beim „Prinzen“ war in der Vergangenheit nicht immer alles Gold, was glänzte – sowohl in der Nationalelf, als auch mit dem Geißbock auf der Brust. Mein Vorschlag: Freuen wir uns einfach für Lukas und schauen uns seine Arsenal-Zeit mit einem Glas Kölsch vor dem Fernseher an. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich Lukas auf der Insel schlägt. Mach et joot, Poldi!
Wir brauchen einen Kapitän!
Doch kommen wir zurück zum FC von heute: Was mir aktuell noch Sorgen bereitet, ist die Kapitänssuche. Wer soll es werden? Christian Clemens? Finde ich zu ruhig, auch zu jung. Adil Chihi? Bei Twitter las ich letztens, selbst Concordia-Captain Schettino wäre besser als Kapitän geeignet. Und wer kommt sonst in Frage? Miso Brecko, als mittlerweile dienstältestem Profi, kann man niemandem verkaufen. Christian Eichner darf sich wegen seiner schwachen Leistungen in der vergangenen Saison eigentlich auch keine Hoffnungen machen, käme aber aufgrund seines Charakters durchaus in Frage. Mein Kandidat wäre ein anderer: Matthias Lehmann. Wenn wir schon alles auf „Neu“ setzen, warum dann nicht auch einen neuen Spieler als neuen Kapitän einsetzen? Lehmann hat das richtige Alter, wirkt im Training tonangebend und spielt auf der richtigen Position. Auch Dominic Maroh scheint sich jetzt schon mit dem FC identifizieren zu können und käme aus meiner Sicht in Frage. Doch die Kapitänsfrage ist im Endeffekt eine kleine Baustelle, die größeren wurden bereits vernünftig angegangen.
Also liebe FC-Fans! Seid nicht mehr traurig ob des Abstiegs, freut Euch gemeinsam mit mir auf die zweite Liga, auf den Wiederaufstieg und ein junges Team, mit dem wir uns endlich wieder identifizieren können!
In diesem Sinne, „Come on FC!“


