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Von den Fans angetrieben: Hertha BSC schafft es in die Relegation
Hertha BSC hat sich die Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Von den Fans toll unterstützt gelang ein 3:1 gegen Hoffenheim, nun muss Hertha in der Relegation ran.
Berlin. Vor dem Anpfiff schaute man in viele nervöse und angespannte Gesichter. Schafft die Mannschaft heute noch die Wende, rettet sie sich in die Relegation? Was machen die Kölner gegen den FC Bayern? Alle diese Fragen stellten sich die Fans von Hertha BSC vor dem Spiel gegen 1899 Hoffenheim. Nach einer bis dahin völlig verkorksten Bundesliga-Rückrunde glaubten eigentlich nur wenige der 51.837 Zuschauer im Berliner Olympiastadion an eine Rettung der Hertha. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.
Blau-weißes Fahnenmeer
In der 14. Spielminute keimte dann zum ersten Mal seit Wochen so etwas wie Hoffnung auf. Änis Ben-Hatira zirkelte einen Freistoß von der rechten Seite in das Tor der Hoffenheimer – 1:0 für Hertha. Der Jubel der Hertha-Fans war groß, das Stadion versank, wie eigentlich in den kompletten 90 Minuten, in einem blau-weißen Fahnenmeer. Schnell wurden die Handys aus den Taschen geholt. Wie steht es in Köln? Immer noch 0:0. Das würde reichen, doch einen Sieg der Bayern hatte sie in Berlin fest eingeplant.
Was machen die Bayern?
Nach einer halben Stunde wurde es hektisch im Stadion. Bayern führt 1:0 gegen Köln. Wirklich? Ist das wahr? Schnell machte die Nachricht die Runde, die ersten Fans lagen sich in den Armen und jubelten. Es dauerte ein paar Minuten, dann kam die Bestätigung auf der Anzeigentafel. Thomas Müller traf zum 1:0. Nun sollte doch nichts mehr schiefgehen können, oder? Kurz vor dem Halbzeitpfiff sah Ryan Babel die Gelb-Rote Karte. Berechtigt? Das interessierte unter den Hertha-Fans keinen. Mit den Berlinern schien es der Fußballgott heute gut zu meinen.
Lasogga schwer verletzt
Zu Beginn der zweiten Hälfte wurde Hoffenheim besser, spielte nun munter nach vorne. In dieser Phase machte sich Nervosität breit. Es stellte sich die Frage: Hält Hertha dem Druck stand, oder brechen sie, wie schon so oft, wieder ein? Nach einer Stunde ein Schockmoment für die Berliner. Pierre-Michel Lasogga, bis dahin einer der besten Herthaner, musste verletzungsbedingt vom Platz, für ihn kam Adrian Ramos. Nach dem Spiel bestätigte sich, dass Lasogga sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat; er fällt für ein halbes Jahr aus.
Hertha musste Hausaufgaben machen
Die Bayen führten zu diesem Zeitpunkt schon 3:0. Das schien die Spieler von Hertha BSC zu beflügeln. „Wir wussten, dass die Bayern daraus keine Urlaubsfahrt machen. Und das wir diejenigen sind, die ihre Hausaufgaben machen müssen“, sagte ein sichtlich erleichterter Peter Niemeyer nach der Partie exklusiv gegenüber Goal.com. In Minute 78 wurde das Olympiastadion dann zum Tollhaus. Ramos brachte Ben-Hatira in Position, der zum 2:0 für Hertha traf. Erleichterung machte sich unter den Fans breit, spätestens jetzt sollte die Relegation gesichert sein. Oder?

Raffael macht alles klar für Hertha - 3:1!
Hertha siegt 3:1
Fünf Minuten vor dem Ende der neuste Zwischenstand aus Köln: 4:1 für den FC Bayern (später auch der Endstand). Hertha musste also nur gewinnen. Doch dann traf Hoffenheim plötzlich zum 1:2. Marvin Compper machte es noch einmal spannend, im Stadion wurde es still. Die Anspannung wuchs wieder. Sollte das hier wirklich noch schiefgehen? In der Schlussminute die Erlösung. Nach einer Hoffenheimer Ecke kontert Hertha. Raffael kommt in der eigenen Hälfte an den Ball, läuft etwa 50 Meter und schiebt dann ins leere Tore ein – 3:1! Aus Sicht vieler Hertha-Fans dauerte es eine Ewigkeit, bis der Ball endlich im Tor landete.
Nur das erreicht, was man erreichen musste
Dann war Schluss. Hertha hat es nach einer tollen Vorstellung wirklich in die Relegation geschafft. Die Frage, die viele Fans beschäftigte: „Warum nicht vorher so?“ Dann hätte man sich den ganzen Stress zum Saisonende sparen können. Die Mannschaft ging in die Kurve und feierte gemeinsam mit den Fans – zum ersten Mal seit langer Zeit. Hertha hat nur vier von 17 Heimspielen gewonnen in dieser Saison, und ist damit nach dem 1. FC Kaiserslautern die zweitschwächste Heimmannschaft der Liga. Sei's drum – wobei Trainer Otto Rehhagel gleich warnte: „Heute können sich Zuschauer und Spieler freuen. Aber wir haben nur das erreicht, was man erreichen musste. Und noch nicht das erreicht, was man erreichen will.“
Spieler und Trainer sagen Danke
Rehhagel wollte es aber unter keinen Umständen verpassen, den leidgeprüften Hertha-Fans ein großes Dankeschön auszusprechen. „Ein außergewöhnliches Kompliment an die Zuschauer. Die Fans stehen wie eine Mauer hinter der Mannschaft, die haben das verdient, in der Bundesliga zu bleiben“, sagte Herthas Trainer. Und auch Peter Niemeyer wollte noch Danke sagen. „Das war Wahnsinn heute, wie die Fans uns wieder unterstützt haben. Sie haben uns aus den Tälern, in denen wir uns während des Spiels befanden, immer wieder rausgeholt. Ein Kompliment an die Fans“, sagte Niemeyer gegenüber Goal.com.
Am Donnerstag steht das erste Relegationsspiel gegen den Dritten der Zweiten Liga an. Die Fans sind dann wieder, wie die Mannschaft auch, gefordert. Nach dem perfekten Zusammenspiel gegen Hoffenheim, ist die Hoffnung groß, dass es am Ende wieder einen Grund zum Feiern gibt.
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