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Als die Rentnertruppe die Schnullerklasse schlug: Gegen Spanien ging 2006 Franck Riberys Stern auf
2006 trafen Spanien und Frankreich letztmals bei einem großen Turnier aufeinander. Es war die Abschiedstour von Zinedine Zidane - und der erste große Auftritt von Franck Ribery.
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Im Achtelfinale 2006 ging Riberys Stern auf
Viele der Erwartungen Frankreichs, die heute – wieder - an Franck Ribery hängen, wurden in diesem WM-Achtelfinale 2006 geboren, als der Stern des kleinen Dribblers aufging. Gemeinsam mit seinem Ziehvater Zidane stellte der damals 23-Jährige die Zeichen auf Sieg für die als Außenseiter gehandelten Franzosen. Les Bleus hatten in der Vorrunde kaum überzeugt und sich eher mühsam in die Runde der letzten sechzehn geschleppt: Zwei Remis gegen die Schweiz und Südkorea, dazu ein zufrieden stellendes 2:0 gegen das fußballerische Entwicklungsland Togo, bei dem Ribery mit einem Assist auf sich aufmerksam machte. Ganz anders waren die Vorzeichen bei Spanien.
Rentnertruppe schlägt Schnullerklasse
Schon damals sahen sich die Iberer als die legitimen Anwärter auf einen großen Titel, der erst 2008 und 2010 folgen sollte. Spanischen Medien hatten das eigene Team, das nach einer tadellosen Vorrunde mit drei Siegen ins Viertelfinale gestürmt war, zum Favoriten ausgerufen und gefordert, die Franzosen um den alternden Real-Star Zidane frühzeitig in den Ruhestand zu schicken. Es kam jedoch ganz anders, weil die Rentnertruppe alle verblüffte: „Sie sind auferstanden, um der Schnuller-Klasse von Torres, Xavi und Villa im Spiel um alles oder nichts eine Lektion zu erteilen“, schrieb das Revolverblatt Metro nach der Partie. Ausgerechnet die beiden Altmeister Patrick Vieira und „Zizou“ schoßen die Iberer mit dem 2:1 in der 84. und dem 3:1 in der 92. Minute aus dem Turnier.

Den Ausgleich hatte aber jener bis dato eher unter Fachleuten bekannte Straßenkicker aus Boulogne-sur-mer besorgt, der erst kurz vor dem Turnier zu seinem ersten Länderspiel gekommen war. Spanien ging nach einem verwandelten Foul-Elfmeter von David Villa in Führung und schien die Prognosen der heimischen Presse zu bestätigen. Dann kam Ribery und leitete Frankreichs Renaissance bei dieser WM ein: Nach einem Pass von Vieira aus dem Mittelfeld griff Spaniens Abseitsfalle nicht. So sprintete Ribery in der 41. Minute auf Casillas zu, verzögerte noch einmal und umkurvte den Schlussmann dann in seiner unwiderstehlichen Art zum 1:1. Nach Abpfiff wurde Ribery zum zweiten Mal während des Turniers zum „Man of the Match“ gewählt.
Es war die Geburt des Hoffnungsträgers Ribery, der schon während der WM früh als möglicher Nachfolger von Zidane galt und die Grande Nation in eine vielversprechende Zukunft führen sollte. Und der sie in den nächsten vier Jahren doch immer wieder so bitter enttäuschte: Bei der EM 2008 noch verletzungsbedingt, zwei Jahre später in Südafrika dann als einer der Rädelsführer gegen Coach Raymond Domenech beim „Fiasko von Knysna“. Dazu kam die Zahia-Affaire im selben Jahr, die den Bayern-Stürmer bei seinen Landsleuten zusätzlich in Ungnade stürzte. Die Entfremdung zum heimischen Publikum ging zwischenzeitlich soweit, dass Ribery erklärte, sich in seiner Wahlheimat München wohler zu fühlen als in Frankreich.

Ob sich an diesem Samstagabend ein Kreis schließt? Nach zwei schwierigen Jahren ruhen die Hoffnungen am Samstag erneut auf „Fronck“. Ribery ist diesmal kein Unbekannter mehr. Vom Hoffnungsträger hat er sich zum „Enfant terrible“ entwickelt - und wieder zurück. Mit starken Leistungen in der Vorbereitung und drei Toren in den letzten drei Freundschaftsspielen hat er zuletzt auch sportlich wieder Ausrufezeichen gesetzt und seine Blockade im Nationaltrikot zumindest vorerst beendet. In der EM-Vorrunde gehörte er außerdem zu den Leistungsträgern.
| RIBERYS AUSSETZER NACH 2006 |
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| April 2010 Skandal um die minderjährige Prostituierte Zahia Dehar. Juni- Juli 2010 Ribery versagt mit der Nationalmannschaft bei der WM 2010. Sein Mitspieler Yoann Gourcuff wirft ihm zudem noch Mobbing vor. 11. November 2011 Das französische Publikum verhöhnt Ribery während des Testspiels gegen die USA. Ribery zeigte eine schwache Leistung. |
Nach dem Schwedenspiel befinden sich Les Bleus gegen „La Roja“ aber erneut in der Außenseiterrolle, darin ähnelt die Konstallation der von 2006. Frankreich war damals das letzte Team, das Spanien aus einem Turnier schmiss. Fünf Spanier stehen dieses Jahr noch im Kader, die in Hannover mit dabei waren: Iker Casillas, Sergio Ramos, Xabi Alonso, Fernando Torres sowie Cesc Fabregas. Auf der Bank saß damals außerdem Andres Iniesta. Bei Frankreich sind neben Ribery nur noch Florence Malouda und Alou Diarra von 2006 übrig. 63 Länderspiele hat der Ausnahmekönner mittlerweile für Les Bleus auf dem Buckel und wenn man so will, gehört der jugendliche Überflieger von damals heute selbst zu den älteren Herren der französischen Auswahl.
Möglicherweise ist nun die Zeit gekommen, dass Ribery die Grande Nation zu jenem Erfolg führt, den sie seit den Tagen Platinis und Zidanes so sehr herbeisehnt – und für seine gallischen Landsleuten jenes Versprechen einlöst, das sie im Juni 2006 in ihm sahen. Die Chancen gegen den Weltmeister stehen vielleicht gar nicht so schlecht. 1984, 2000 und eben 2006: Bei großen Turnieren verlor Frankreich nie gegen seine südlichen Nachbarn und gewann fünf der letzten sechs Pflichtspiele.
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